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Erstellt am: 14.01.2001 Stand: 13.12.2004 |
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Problem:
Bei vielen Kompakt- und Digitalkameras, so auch bei meiner SONY DSC 505 Cybershoot, erfolgt die Auslösung
in zwei Schritten. Der Auslösevorgang von Hand läuft
folgendermaßen ab: Auslöser leicht andrücken. Die Kamera misst
das Objekt an und stellt die Belichtung, sowie die Entfernung
automatisch ein. Nach einiger Zeit erfolgt ein Signalton und /
oder ein Symbol, der Auslöser kann durchgedrückt werden, die
Kamera löst aus. Dies dauert einige Sekunden und führt zu einer
Auslöseverzögerung. Mit der Auslösung über ein Servo hat man
dann Schwierigkeiten. Man kann ja den Auslöser nur schlecht
leicht andrücken und auf ein akustisches Signal achten. Wird
jedoch dieser Ablauf nicht eingehalten, kann es passieren, dass
die Kamera nicht scharf stellt, oder gar nicht auslöst. Es gibt
mehrere Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem. Ich habe eine
Schaltung mit einem Microcontroller gebaut, der die Kamera in
zwei Schritten auslöst.
Den Two Step Trigger TST01.
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Die fertig aufgebaute Schaltung des TST01
ist nur 28 x 40mm klein. Sie wird zwischen den Empfänger
und das Auslöseservo geschaltet. Links im Bild ist der
Microcontroller. Durch die acht Schalter lassen sich die Servowege und die Messzeit in weiten Grenzen an die eigene Ausrüstung und die Kamera anpassen. Die Leuchtdioden D1 und D2 zeigen den Ablauf des Auslösevorganges an. D1 leuchtet, in der Position MESSEN, D1 und D2 leuchten in der Position AUSLÖSEN. |
| Es werden nur ein paar Bauteile und eine
kleine Platine benötigt, um den TST01 aufzubauen. Wichtig:
Die beiden 33pF Kondensatoren müssen zuerst und sehr
flach eingelötet werden, da sie unter dem IC-Sockel
sitzen. |
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Funktion der Fersteuerung:
Ein Fernsteuersender erzeugt ständig eine Reihe von Impulsen,
die er über die Antenne abstrahlt. Die Länge der einzelnen
Impulse ist ein Maß für die Knüppelstellung und variiert
zwischen 1 und 2 ms. In der Neutralstellung des Knüppels ist die
Impulslänge 1,5ms. Der Empfänger empfängt die Impulse und
teilt sie den angeschlossenen Servos nacheinander zu. Sind alle
Servos bedient worden, so erfolgt eine Pause in der sich der Empfänger
wieder auf den Sender syncronisieren kann. Danach beginnt der
Vorgang bei Servo1 bzw. Kanal 1 wieder von vorn. Die
Wiederholungsrate dieser Impulsreihen, der sogenannte Rahmentakt,
beträgt üblicherweise 20ms, ist aber nicht kritisch. Mit 40ms
Rahmentakt funktioniert es genauso gut.
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Impulszug eines Vierkanal Fernsteuersignales. Oben sieht man das vom Sender abgegebene Signal für mehrere Servos. Unten ist ein einzelnes Signal für einen Kanal abgebildet. Dieses Signal ist, je nach Knüppelstellung, ein bis zwei ms lang. Nach ca. 20 ms beginnt der Sender mit der Übertragung des ächsten Impulszuges. |
Lösung mit einem Microcontroller:
Der TST01 wird zwischen den Empfänger und das Auslöseservo
geschaltet. Er überwacht ständig den vom Empfänger kommenden
Impuls. Ist dieser Impuls länger als 1,7ms, so bedeutet dies,
das der KAPer die Kamera auslösen möchte. Um jedoch
Fehlfunktionen bei Übertragungsstörungen zu vermeiden, muß
dieses Signal mindestens für 0,5 sek. anstehen damit die Auslösung
eingeleitet wird. Der Microcontroller erzeugt dann neue Impulse für
das Auslöseservo und steuert es in zwei Schritten:
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Prototyp Aufbau des TST01 auf einer
Experimentierplatte. So kann man leicht Veränderungen in
der Hardware durchführen und verschiedene
Konfigurationen testen. Die vom Sender, bzw. vom Empfänger
kommenden Impulse werden hier von einem Servotester
erzeugt. |
Auslösung, erster Schritt:
Das Servo fährt aus der RUHELAGE in die Position MESSEN und die
Kamera beginnt mit der Messung. Die Position des Servos, bei der
diese Kamerafunktion ausgelöst wird, ist am TST01 über drei DIL-Schalter
in 8 Stufen einstellbar. Danach erfolgt eine Pause in der die
Kamera die Messungen und Einstellungen durchführt. Die Länge
der Pause ist von Kamera zu Kamera verschieden und kann mit zwei
DIL-Schaltern im Bereich von 2 bis 3,5 sec. vorgewählt werden.
Auslösung, zweiter Schritt:
Nach Ablauf der Messzeit fährt das Servo in die zweite Position
AUSLÖSEN, in der die Kamera auslöst. Auch diese Position lässt
sich an die vorhandenen Gegebenheiten über drei DIL-Schalter
anpassen. Das Servo verweilt für ca.0,5 sec. in der Stellung
AUSLÖSEN und fährt dann wieder in die RUHELAGE zurück.
Nun erfolgt eine Auslösesperre von ca.7 sec, in der die Kamera
das Bild speichert und der Blitz neu geladen wird. Nach dieser
Zeit ist der Auslöser wieder "scharf", die LED´s
blinken ein paarmal und die nächste Aufnahme kann gemacht werden.
Zusatzfunktion:
Die Kamera ist mit einer Stromsparfunktion ausgestattet, welche
Sie nach 3 Minuten ausschaltet, wenn sie nicht bedient wird. Ist
die Kamera für längere Zeit in der Luft und man muss sich als
KAPer um andere Dinge kümmern, kann es passieren, das der Timer
in der Kamera abläuft und die Kamera ausschaltet. Um dies zu
vermeiden, führt der TST01 ohne ein Auslösesignal vom Empfänger
(Sender) nach einiger Zeit eine Messung durch ohne die Kamera
jedoch auszulösen. Dadurch wird die Abschaltautomatik in der
Kamera neu aktiviert bevor die 3 Minuten abgelaufen sind. Die
Kamera bleibt so ständig eingeschaltet.
Technische Lösung:
Die Schaltung besteht als Hauptbestandteil aus einem PIC16F84 -
Microcontroller der Firma Microchip, einem 4MHz Quarz, zwei
Leuchtdioden, einem achtpoligen DIL-Schalter und ein paar
weiteren Bauteilen. Mit dem DIL-Schaltern können die
Servopositionen und die Messzeit an das eigene Rig und die Kamera
angepasst werden. Die Leuchtdiode D1 leuchtet, in der Position
MESSEN, D1 und D2 leuchten in der Position AUSLÖSEN.
Nachbau:
Wer schon einmal elektronische Schaltungen aufgebaut hat, wird
mit dem Nachbau der Schaltung keine Probleme haben. Vielleicht
kann ja auch ein Kollege dabei behilflich sein.
Zuerst muss eine Platinenfolie angefertigt werden. Dazu druckt
man die Zeichnung aus und verkleinert sie auf einem Fotokopierer
im richtigen Masstab auf eine Overheadfolie. Dadurch entsteht
eine sehr feine und scharfe Auflösung. Mit dieser Folie wird das
Basismaterial
für die Platine belichtet, anschließend entwickelt und geätzt.
Die fertige Platine wird nun gebohrt (0,8mm) und auf das richtige
Maß gefeilt. Entgraten nicht vergessen. Nach der mechanischen
Bearbeitung sollte der Fotolack auf beiden Seiten mit Spiritus
abgewaschen werden. Anschließend werden die Bauteile nach dem
Bestückungsplan eingesetzt und verlötet. Die Brücke nicht
vergessen. Achtung: Die beiden 33pF Kondensatoren müssen zuerst
eingesetzt werden, da sie unter der IC-Fassung sitzen.
Für die Montage des Microcontrollers sollte man eine IC-Fassung
verwenden. Der PIC16F84 wird in einem 18 poligen DIL-Gehäuse
geliefert. 18 polige IC-Sockel sind jedoch manchmal schlecht zu
bekommen. Aus diesem Grund habe ich auf der Platine einen 20 pol.
Sockel vorgesehen. Wichtig ist dabei die Einbauposition
des Controllers: Er muss linksbündig eingesetzt werden.
Die beiden rechten Pins bleiben also frei.
Programmierung:
Wer an der Software Interesse hat kann sich bei
mir per e-Mail melden. Ich werde Ihm dann den Assembler Quelltext
"tst01-h.asm" zumailen.
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Das grösste Problem beim Nachbau dürfte die Programmierung des Microcontrollers sein. Hier gibt es mehrere Lösungen:
Stückliste:
| 1 | St. | IC-Sockel 18 oder 20 polig (siehe Text) | IC1 |
| 1 | St. | PIC 16F84-04/P Microcontroller | IC1 |
| 1 | St. | Quarz 4 Mhz | Q1 |
| 1 | St. | Widerstand 47 kOhm, 0,5 W | R1 |
| 1 | St. | SIL-Widerstand 8 x 47kOhm | R2 |
| 2 | St. | Widerstand 330 Ohm, 0,5 W | R3, R4 |
| 2 | St. | LED 3mm, Farbe nach Wahl. (Ich bevorzuge für Außenanwendungen superhelle Dioden.) |
D1, D2 |
| 1 | St. | Kondensator 10 - 33uF/16V Tantal | C1 |
| 1 | St. | Kondensator 100nF Keramik | C2 |
| 2 | St. | Keramikkondensator 33pF Keramik | C3, C4 |
| 2 | St. | Servoanschlußleitung, je nach verwendeter Fernsteuerung | |
| 1 | St. | Drahtbrücke | |
| 1 | St. | Platine |
In Betriebnahme:
Die Schaltung ist für einen Betrieb mit den üblichen
Empfängerakkus, also für 4,8V vorgesehen.
Ist die Schaltung aufgebaut und der programmierte Microcontroller
eingesetzt, so kann die Schaltung getestet werden.
Steht ein Netzteil zur Verfügung, so kann man natürlich die
Schaltung zunächst mit dem Netzteil versorgen und die
Stromaufnahme beobachten. Die beiden LED´s blinken beim
Einschalten ein paarmal und zeigen somit an, das der Controller
das Programm ausführt. Ohne ein angeschlossenes Servo beträgt
die Stromaufnahme ca. 3mA ohne LED und 20mA wenn beide LED´s
leuchten. Ist dieser Test positiv verlaufen, so kann der TST01
mit der Fernsteuerung getestet bzw. justiert werden.
Am TST01 werden zunächst alle DIL-Schalter auf 0 gestellt. Dann wird der TST01 an den Fernsteuerempfänger oder an einen Servotester angeschlossen und die Anlage in Betrieb genommen. Die beiden LED´s blinken ein paarmal und zeigen somit an, das der Controller das Programm ausführt.
Betätigt man nun den Steuerknüppel so sollten ab einer bestimmten Position (etwas oberhalb der Neutralstellung) die beiden LED´s die Funktionen MESSEN (D1) und AUSLÖSEN (D1 und D2) nacheinander anzeigen. Ein angeschlossenes Servo bewegt sich dabei nur ganz minimal in zwei Schritten.
Nun kann mit den DIL-Schaltern S3 bis S5 die Position des Auslöseservos so eingestellt werden, das in der ersten Servoposition der Auslöser der Kamera gerade soweit durchgedrückt wird, das die Kamera eine Messung durchführt, jedoch nicht auslöst.
Anschliessend wird mit den DIL-Schaltern S1 und S2 die Messzeit, also die Zeit die das Servo in der Position MESSEN verweilt, an die Bedürfnisse der Kamera angepasst. Die Einstellmöglichkeit geht hier von 2,0 bis 3,5 sek.
Zuletzt stellt man mit den DIL-Schaltern S6 bis S8 die Position des Servos so ein, das die Kamera in der zweiten Stufe auslöst.
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Bei der Einstellung der DIL-Schalter
muss die Wertigkeit beachtet werden. Bei der Einstellung
der Messzeit mit S1 und S2 sieht dies so aus (0 = offen,
1 = geschlosen): Bei den Schaltern S3 bis S5 für die MESSPOSITION des Sevos und S6 bis S8 für die AUSLÖSEPOSITION ist genauso zu verfahren. Es ergeben sich jedoch hier jeweils 8 Möglichkeiten bzw. Servopositionen. |
Mögliche Verbesserungen in einer späteren Version:
Man kann den DIL-Schalter weglassen und die Anpassung
der Servowege und Messzeiten über eine Programmiertaste
vornehmen. Die eingestellten Werte können dann in einem EEPROM
im Controller abgelegt werden, welches auch beim Abschalten der
Versorgungsspannung nicht flüchtig ist. Dann könnten auch die
Zeiten, die sich bei der Version TST01 nicht einstellen lassen,
sondern fest vorgegeben sind, einprogrammiert werden.
Viel Spaß beim Nachbau und natürlich beim KAPen mit dem Two
Step Trigger.
Für Fragen zum Nachbau stehe ich gerne zur Verfügung.
Manfred
Links zum Thema Microcontroller, zu anderen KAPern und mehr findet Ihr in meinem Surfers Guide.
Für Fragen Anregungen oder Erfahrungsaustausch stehe ich gerne zur Verfügung.
Über einen Eintrag in meinem Gästebuch würde ich mich sehr freuen.
Manfred
http://KAP-Man.de
Manfred