KAP-Ladegerät vergessen, was nun???
Ein Behelfslader mit Fahrradbirnchen.

Erstellt am: 17.08.2003
S
tand: 21.12.2004
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Was schleppt man mittlerweile nicht alles an Ladegeräten mit? 

Besonders schlimm ist es, wenn man wie wir, viel mit dem Zug in den Urlaub fährt und alles im Koffer verpacken bzw. tragen muss. Aber auch "flieger" haben es da nicht leichter. Ladegeräte für Handy, Videokamera, digitaler Fotoapparat, Laptop, Taschenlampe etc. Man könnte die Liste gut und gerne noch erweitern (Rasierapperat, Zahnbürste....)


Schlimm wird es wenn man eins der Ladegeräte vergisst. Dann ist das eigentliche Gerät ebenfalls nutzlos, denn ohne Ladegerät geht bald nichts mehr. 

Dies ist mir in unserem Sommerurlaub auf der Insel Sylt passiert. Ich hatte meinen KAP-Lader (Im oberen Bild rechts) vergessen. Was nützten nun Drachen, Schnüre, KAP-Rig, Picavet, Bodenanker und der ganze andere Krempel den man so als KAPer mitschleppt, wenn man sein Ladegerät für den Sender und Empfänger vergessen hat? Zunächst kann man sich einigem Spott gewiss sein, aber dann beginnt doch der Ärger über die vergangenen Luftbilder die man an den verschiedenen Stellen machen wollte. Vergangene Luftbilder??? Da muss es doch eine Lösung geben. Schliesslich schleppt man ja genug Ladegeräte mit. Nur alle sind anders. Andere Spannungen, andere Ladeströme, andere Stecker.

Also habe ich mir die verschieden Lader einmal genauer angesehen:
Ich musste Akkus im Sender und im Empfänger laden. Im Sender 8 Zellen NiCd mit 750 mAh. Im Empfänger 4 Zellen NiMh mit 500 mAh. Also sollte das Ladegerät mindestens eine Ladespannung von 8 x 1,5V = 12V liefern können. Beim Strom war ich nicht so wählerisch. Der Akku konnte ja gut über Nacht laden, so das ich mit einem kleinen Ladestrom auskommen würde.


  Zuerst ein Blick auf das kleine Handy Ladegerät: Ausgangsspannung 3,7V. Zu wenig für die 4 bzw. 8 Zellen. 
Dann ein Blick auf das neue Schnellladegerät für die vier Mignonzellen (Größe AA) der Canon A70. Es besteht aus zwei Teilen, dem eigentlichen Lader mit den Akkuschächten und einem reinen Steckernetzteil mit Gleichstromausgang. Ein Blick auf das Typenschild zeigte mir 12 V Ausgangsspannung und ein maximaler Strom von 500 mA.

Genug Energie also um meine Akkus zu laden. Aber einfach so kann man die Akkupacks natürlich nicht anschließen. Der Ladestrom wäre viel zu hoch und sowohl das Netzteil als auch die Akkus würden zerstört werden. Ein passender Widerstand zur Strombegrenzung auf den erforderlichen Ladestrom musste her.


Aber wo bekommt man so einen Widerstand in einer Ferienwohnung auf Sylt? Also bin ich durch die Wohnung geschlichen auf der Suche nach etwas Brauchbarem. Im Fernseher müssten genug davon drin sein.... Aber lieber nicht. Also weitersuchen.... Im Bügelraum stand das Bügeleisen. Ein 230 V Verbraucher. Kurz mal durchgerechnet. 2kW bei 230 V macht ca. 26,45 Ohm Widerstand. Könnte klappen, wäre aber doch ein bisschen abenteuerlich, aber für den Notfall schon mal vormerken.

Auf Sylt wird viel mit dem Fahrrad gefahren.... Fahrradbirnchen!!! Also bin ich in den nächsten Fahrradverleih gegangen und habe mir ein Rücklichtbirnchen gekauft. 6 V, 0,6W, macht 0,1 A. Passt!


Nun musste das Ganze noch miteinander verbunden werden. Mit einem Streichholz, etwas Isolierband aus der Grabbelkiste und dem Fahrradlämpchen habe ich mir dann eine Ladeschaltung für die KAP-Akkus zusammengebastelt und siehe da, nach ein paar Stunden Ladezeit kam wieder Leben in das KAP-Rig.


Abends habe ich dann den Sender angeschlossen und über Nacht aufgeladen. Klappte auch. Die Situation auf Sylt war gerettet und ich konnte meine Bilder auf Sylt machen. 

Die "Ladeschaltung" aus Streichhölzern, Isolierband und einer 
Fahrradrücklichtbirne wird aus einem Steckernetzteil gespeist.
Kamera: Canon EOS D30


Ausgehend davon, das bei einem kleinen Ladestrom, der etwa einem Zehntel der Akku-Kapazität entspricht (bei 750 mAh Kapazität also 75 mA Ladestrom), keine Überladung und somit Zerstörung der Akkus erfolgt, kann man mit diesem Ladestrom auch bei einem undefinierten Ladezustand der Zellen, also z.B. nach einer Stunde KAPing, die Zellen für 14 Stunden laden, und hat dann mit Sicherheit volle Akkus. Bei solchen Ladeströmen kommt es, anders als beim Schnellladen, nicht so genau auf eine Stunde an, da der Akku die Energie, die bei einer Überladung weiter zugeführt wird, noch problemlos in Wärme umsetzen kann. Bei höheren Ladeströmen, wie beim Schnellladen, entsteht mehr Wärme als der Akku über seine Oberfläche an die Luft abgeben kann und die Temperatur sowie der Zelleninnendruck steigen an. Dies führt dann zur Zerstörung der Zelle. Also in solch einer Situation lieber mit kleinem Strom, dafür aber etwas länger laden.


Links zu anderen KAPern und mehr findet Ihr in meinem Surfers Guide.

Für Fragen, Anregungen oder Erfahrungsaustausch stehe ich gerne zur Verfügung.

Über einen Eintrag in meinem Gästebuch würde ich mich sehr freuen.

Manfred
http://KAP-Man.de



Manfred